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Debriefing 01-07 2020

„Bei einem Briefing handelt es sich um eine Kurzeinweisung (Kurzbesprechung) vor einem wichtigen Ereignis. Eine Kurzauswertung nach einem wichtigen Ereignis wird als Debriefing bezeichnet (engl. Nachbesprechung; Schlussbesprechung, Manöverkritik).“ 

wikipedia.de

Seit einigen Jahren schon briefe ich mich selbst zu Beginn eines neuen Jahres oder wichtigen neuen Abschnitts in meinem Leben. Oder am Ende eines solchen. Dabei versuche ich, Ziele zu benennen, die ich verfolgen möchte (schwierig). Mir selbst darüber klar zu werden, wie ich mich fühlen möchte und was ich in meinem Leben haben will (noch schwieriger). Und auch, warum das so ist bzw. wozu ich tue, was ich tue (Profi-Schwierigkeitsgrad des Selbstbriefings). 

Ich will es nicht beschönigen, es ist harte Arbeit, die mitunter weh tut. Denn egal wie Du es angehst – Moodboard, Ist-Soll-Analyse, Vision-Mission – Du richtest das Brennglas auf Dein Leben. Und auch wenn Du es schön bebilderst und Blumen drum herum malst: Ein solcher Blick wirft viele elementare Fragen auf. Zum Beispiel „Bin ich der Mensch, der ich sein möchte?“, „Was gebe ich anderen mit?“, „Verfolge ich meine Ziele oder gammle ich aus Angst, ich könnte sie erreichen, herum?“ Es wird deutlich: Bei solchen Selbstbriefings hilft es, schon mal in die eigenen Abgründe gesehen zu haben. Oder in guter Begleitung zu sein. Denn selbst austherapierte Menschen, wie meine liebe Freundin immer so schön sagt, kommen hier auf ihre Kosten. 

Manchmal verbrenne ich meine Briefings am Ende des Jahres in einem kleinen, nicht unbedingt nachbarschaftsfreundlichen Ritual. Manchmal hänge ich sie mir noch einmal auf – zum Nachbesprechen. Wer hier in der Vergangenheit gerne mitlas, ist nicht überrascht, dass die Jahresgrenze dabei für mich etwas Besonderes hat. Silvester verspricht wie kein anderes Datum einen Reboot. Nicht alles auf Anfang, aber alles auf den Prüfstand. Das Debriefing, der Blick zurück in liebevoller Manöverkritik, das „Was war gut, was war mies, was will ich anders machen?“, ist dabei der Ausgangspunkt für alles Neue. 

Besondere Zeiten aber erfordern harte Maßnahmen. Es ist Juli 2020, und ein vorgezogenes Debriefing muss her. Noch sind die Wochen so zugepackt wie kaum eine Zeit in meinem Leben. Noch warten Semesterabschlussdinge, letzte Schulworkshops, neue Förderanträge, Kindergeburtstage, Administrationskram, gleich mehrere Aufträge aus der Agentur und habe ich eigentlich schon das Buchprojekt erwähnt, das am 15. August fertig sein soll? Im Grunde passt mir ein Debriefing nicht rein, ich muss hamsterradmäßig weitermachen, Tasks abarbeiten, Termine bestätigen und Workshops durchführen. Dazwischen noch irgendwas mit Kindern und Haushalt, und seien wir mal ehrlich: Wenn die nur ein bisschen kleiner oder weniger selbständig wären, ich wäre schon längst am Arsch (pardon).

Die besten Kinder der Welt bei unserer Balkon-Beachparty

Es ist keine Zeit, anzuhalten.

Es ist dringend Zeit, noch einmal anzuhalten.

Denn während sich Deutschland in der Hoffnung, dass wir um eine zweite Pandemie-Welle herumkommen, bereits im Reboot befindet; während alles wieder anspringt und überall Menschen zur Tagesordnung übergehen, frage ich mich anhaltend, was zur Hölle wir da eigentlich tun. Ich als Individuum, und die Gesellschaft als Ganzes. Mein Debriefing:

Die ersten Wochen der Pandemie waren unfassbar anstrengend. Von einem auf den anderen Tag im März blieben die Schulen geschlossen und die Kinder zuhause. Ich konnte meine Projekte ins Home Office umziehen und rotierte wochenlang, um neue Strukturen zu etablieren, die für uns funktionieren. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt gefühlt keine Ressourcen über. War aber egal, denn es galt eine gewisse Sicherheit herzustellen und möglichst ruhig und überlegt zu handeln. Um den Kindern zu vermitteln, dass alles in Ordnung ist, und um selbst nicht durchzudrehen. Was an dieser ersten Phase gut war: Ich schlief plötzlich länger und im besseren Einklang mit meinem Biorhythmus. Außerdem fielen die langen Fahrten weg – mehr Zeit für Aufgaben. Mein Partner übernahm die Hausarbeit mit und war für die Kinder da, wenn ich wegen Videokonferenzen nicht konnte. Was schlecht lief: An manchen Tagen unterbrachen mich die Kinder alle fünf Minuten. Ich arbeitete auf ungeeigneten Stühlen im Wohnzimmer oder am Stehtisch in der Küche. Meine zweite Kinderbetreuungseinheit konnte aufgrund hoher beruflicher Auslastung nicht mehr zu 50% für die Kinder da sein. Erste gesundheitliche Probleme stellten sich ein, was nicht wirklich überraschend kam. Ein Freund starb. Maßnahmen: Wir reagierten auf den merkwürdigen Alltag mit einem regelmäßigen Workout zuhause, einem kleinen Eventprogramm für die Familie, flexiblen Routinen und Gesprächen über wichtige Bedarfe („Wer braucht wann die volle Bandbreite?“). Außerdem wechselten wir den Internetprovider und schafften ein wenig Soft- und Hardware an. Es etablierte sich ein Zoom-Abendessen mit den Großeltern, damit wir uns regelmäßig sehen.

Alles ins HomeOffice: Ein Teil der World Citizen School

Der darauf folgende Abschnitt bis Mitte Juni war noch anstrengender. Die Kinder beklagten die Absage ihres Pfingsturlaubs, litten unter der Isolation, die wir nur hier und da brachen. Hätten wir dem Teenie nicht ihre engsten Kontakte zugestanden, hätte sie vermutlich etwas angezündet. Wir beobachteten das Infektionsgeschehen mit immer weniger Besorgnis, dafür wuchs die Sorge um Freund*innen, die ihre Jobs verloren, kleine liebgewonnene Unternehmen, die trotz der Soforthilfe schließen mussten, und uns Nahestehende, denen die Isolation und die Einsamkeit zu schaffen machte. Neben meiner 120%-Job-Sache versuchte ich, möglichst viel Zuversicht und Optimismus zu versprühen. An manchen Tagen kein Problem, an anderen ein unfassbarer Kraftakt. Was gut war: Die Kinder kamen im HomeSchooling an, es ging ihnen gesundheitlich gut. Wir verbrachten schöne gemeinsame Tage und konnten sogar einen ganz kurzen Alternativurlaub am Bodensee anbieten. Dadurch, dass fast alles im HomeOffice gut lief, hatte ich immer wieder zwischendurch Zeit für die Kinder. Ich war in diesen Wochen viel mehr mit ihnen zusammen als es die letzten Jahre der Fall war. Was schlecht lief: Als die Schulen wieder partiell öffneten, hatte ich immer mindestens ein Kind zuhause und eines in der Schule. Das bedeutete: Nicht mehr ausschlafen können und dennoch die ganze Zeit im HomeOffice sein. Eine organisatorische Zerreißprobe. Außerdem war ich genervt, denn alle Kinderlosen sagten „Hey, super, die Schulen sind ja jetzt wieder auf!“ Zudem fiel die Finanzierung für ein wichtiges Projekt coronabedingt weg. Ich war in Sorge, wie die nächsten Monate laufen werden. Maßnahmen: Um mehr Energie für alles Wichtige zu haben, reduzierte ich Nachrichten, Diskussionen auf Social Media, Serien etc. auf ein absolutes Minimum. Wir achteten weiter auf regelmäßige Bewegung, unterstützten uns mit einer guten Aufgabenverteilung und ich übte mich in Nachsicht mir selbst gegenüber. Und im Unperfekt-Sein. Gelegentliche Meditation half, wurde aber leider nicht zur Routine – siehe frühes Aufstehen.

Es ist nicht alles schlecht: Die Eisdielen haben wieder geöffnet.

Die Wochen seit Mitte Juni sind noch einmal anstrengender geworden als alles, was vorher passierte. Jeder Tag, jeder Wunsch, jede Pflicht und jeder Anspruch ist ein kontinuierliches Abwägen – Ist es machbar? Ist es auch vertretbar? Welche Konsequenzen hat es? Können wir es uns leisten? Kann ich es mir leisten? Ich begann, wieder Montags und Dienstags nach Tübingen zu fahren. Die Fahrten sind durch die Masken und die deutlich verlängerte Anfahrt schwieriger und zeitintensiver als vorher. In der Agentur nahm ich jeden nun neu hinzukommenden Auftrag an, um die Existenz abzusichern und genug Puffer aufzubauen. Die Kinder diskutieren mehr, helfen weniger, sind die Online-Schule leid und haben verständlicherweise Fragen. Ich aber habe keinen Raum, sie zu beantworten. Drängende Abgabetermine lassen mich nicht ruhig schlafen, und die gesundheitlichen Wehwehchen nehmen immer deutlicher zu. Ich bin erschöpft und häufig gereizter als ich sein will. Ich habe einen Verdacht, warum. Was gut war: Die Kinder haben auch diese Wochen insgesamt hervorragend gemeistert. Keine Verweigerungshaltung, kein vollständiger Rückzug, kaum Sorgen um ihre Gesundheit oder ihre psychische Verfassung. Fast alles, was ich beruflich tat, tat ich mit Liebe und aus Überzeugung. Selbst die Dinge, die mich aktuell überfordern, habe ich in vollem Bewusstsein angenommen. Was schlecht lief / läuft: Mein Zeitmanagement war völlig irre. Die Konflikte nehmen zu, auch die Sorge um die Zukunft ist deutlich in den Vordergrund getreten. Wir gaben hilfreiche Routinen und unser kleines Eventprogramm auf, weil dafür im veränderten Alltag kaum Raum blieb. Es kamen einige happige Rechnungen und Nachzahlungen, die mich nicht gerade zuversichtlich machen. Physisch und psychisch angeschlagen nehmen die guten Tage ab und die miesen zu. Maßnahmen: Wenige. Reines Abarbeiten des absolut Notwendigen und Dringenden. Gelegentliches, auch vehementes Abgrenzen gegen Ansprüche anderer, anstrengendes und zeitintensives Deutlich-Machen meiner Bedarfe, leider oft wenig zielführend. 

Päckchen für unsere SEEd-Trainer:innen als kleines Lebenszeichen

Was ich jetzt plane: Nachjustieren, Abgleichen, Raum schaffen. Noch ein bisschen mehr grünen Tee, noch ein wenig mehr Meditation. Trauern, hinterfragen, lesen und schreiben. Wie viel Zeit ich mir dafür nehmen kann, weiß ich nicht. Dieser Blogpost aber ist ein guter Anfang.  

Was mich dabei umtreibt / einschränkt: Überall fahren wir den Betrieb hoch. Plötzlich pochen manche Arbeitgeber*innen darauf, dass Mitarbeitende das HomeOffice verlassen. Es gibt erste Veranstaltungen, natürlich mit Hygienekonzepten, also noch mehr Arbeit als sonst; es gibt neue Aufträge und Notbetreuung und Ferienangebote und stundenweise Unterricht und „Mach doch mal wieder Sport!“-Aufrufe auf Instagram und Corona-Rezepte mit viel Avocado, denn die ist gesund, und dabei gibt es das Gefühl, dass wir die Geschwindigkeit immer weiter erhöhen. KeinePausekeinePausekeinePause.

Uns in Deutschland geht es immer noch gut. Meine Familie gehört sogar zu denjenigen, denen es sehr gut geht. Wie viele Familien können sich nun viele Monate oder Jahre nur noch das Nötigste leisten, wie viele Menschen haben jemanden in dieser Zeit verloren oder, wir wollen es ja leider nicht hören: Werden noch jemanden verlieren? Wie viele Menschen sind furchtbar einsam? Wie viele Unternehmen werden noch schließen, und wie lange werden wir den Rettungsschirm, der dann doch nicht allen half, abbezahlen? Wie viele idiotische „Corona-Prämien“ an Pflegekräfte bestehend aus bedruckten Handtüchern werden im Internet auftauchen? Wie viele Verschwörungstheoretiker*innen lassen sich noch mit Waffen ablichten, und wann tut die Regierung endlich etwas ins Trinkwasser? Wann endlich nehmen wir wahr und ernst, halten uns, spüren einander?

Wann, frage ich mich, reflektieren wir alles, was passiert ist? WANN?

Wann merken wir, dass wir Atem schöpfen müssen, statt überall so zu tun, als sei uns nichts passiert? Wann weinen wir und geben zu, dass wir überlastet sind, und wann wird das gehört – ohne Bewertung, dass andere noch viel schlimmer dran sind? Wann finden wir einen Weg, dankbar zu sein für den Ist-Zustand hier in Deutschland, und trotzdem die Probleme klar zu benennen? Wann können wir über uns als Gesellschaft sprechen, ohne dass wir Bedarfe gegeneinander ausspielen? Wann, wenn nicht genau jetzt?

Wo bleibt das Herz, nachdem Hand und Verstand alles gegeben haben?

Zu Beginn der Pandemie war ich zuversichtlich, dass wir diese weltweite Disruption nutzen können. Um uns über unser Zusammenleben klar zu werden, uns gemeinsame Ziele zu setzen und Dinge zu verändern, die uns nicht mehr nützen. Aber wie soll das gehen ohne Debriefing? 

Ohne den Versuch einer kollektiven Reflexion machen wir einfach weiter wie bisher. Nicht nur in den Schlachtbetrieben oder bei VW, nein: In unserer Arbeit, unseren Familien, Beziehungen, in unserem Miteinander (und leider zu oft Gegeneinander) in der Welt. 

Ohne Gespräch, Raum und Zeit finden wir nicht zu uns. Wir finden nur dringend anstehende Aufgaben, Pflichten und Strategien der Überbrückung. Wir finden einen absurden Berg an nicht Erledigtem, der uns von unseren Gedanken und Gefühlen fern hält. Wir finden Möglichkeiten, unsere Ängste, Sorgen und unsere nicht gesehenen Bedürfnisse zu kanalisieren. 

Hier ist meine Prognose, wenn wir so weitermachen: Wir werden erleben müssen, wie völlig überlastete Menschen zusammenbrechen, weil sie – kaum sind wir etwas glimpflicher davongekommen – mit Schokolade für ihre vielen Überstunden entlohnt werden. Es wird Familien geben, die zerbrechen und Kinder und Jugendliche, die sich von ihren Misshandlungen nicht erholen. Es wird Mütter (und auch einige Väter, aber leider mal wieder vor allem die Mütter) geben, die monatelang ausfallen, weil sie alles gegeben haben, weit über ihre Ressourcen hinaus. Und es wird noch mehr Menschen geben, die sterben – an Einsamkeit, an Herzleiden, an Covid-19. Wie können wir jetzt, jetzt zu diesem Zeitpunkt, guten Gewissens zu einem „neuen Normal“ finden?

Wo ist unser Debriefing?

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Beitragsbild: Kunstprojekt von Nicola Falley und Dirk Welz

  1. Ich habe viel an Dich gedacht in der letzten Zeit und bin Dir mehr als dankbar für diesen Text. „KeinePausekeinePausekeinePause.“ trifft es leider am meisten.

  2. Ein richtiger und wichtiger Text. Ich sitze jetzt da, denke an Dich und fühle mich irgendwie ohnmächtig, weil ich keine Lösungen für die Dinge die Du ansprichst bieten kann. Es zerreisst mir das Herz zu sehen, wie Du quasi auf “Notreserve” laufen musst.
    Das Schlimme ist allerdings auch, dass wir ja aktuell bestenfalls einen Statusbericht verfassen können, denn wir sind trotzt allen politisch beschlossenen Lockerungen immer noch mitten in der Pandemie und es gibt zum heutigen Tag noch keinen Impfstoff.
    Und ich fürchte, die Definition eines “neuen Normal” wird zu heftigen Verteilungskämpfen führen. Denn manches wird definitiv anders sein wie vor der Pandemie, und viele Leute werden wie Du richtig schreibst eine sehr lange Zeit gar nicht in der Lage sein, den früheren Status Quo wieder herzustellen. Und wie das dann ausartet sehen wir ja bei der Verteilung der finanziellen Hilfen, Großkonzerne erhalten Beträge die höher sind als ihr Börsenwert, die eigentlichen Helden der Krise bekommen dafür Applaus oder mal eine Tafel Schokolade.
    Pass bitte gut auf Dich auf. Du bist wichtig und Deine Ansprüche wiegen genauso schwer wie die von anderen. Fühle Dich umarmt und gedrückt, auch wenn das kaum reichen wird um Deine Probleme zu lösen. Und mach trotz allem einfach mal hin und wieder eine Pause. Pausen sind extrem wichtig. Wenn man z.B. ein Loch in einen Stahlblock bohren will, dann bohrt man nicht nonstop sondern zieht den Bohrer hin und wieder aus dem Loch damit man ihm eine Pause gönnt. Wenn man das nicht tut, läuft er heiß und bricht irgendwann einfach ab. Und dann hast Du einen kaputten Bohrer und kein Loch, im anderen Fall hast Du das gewünschte Loch und einen Bohrer der nicht kaputt ist.

    • Mein lieber Rainer, ich danke Dir für das Bild des Bohrers und Deinen wie immer aufmunternden, liebevollen Zuspruch. Um mich selbst mache ich mir gerade gar nicht so viele Sorgen – einmal abgesehen von meiner leichten Hypochondrie, die bei jedem Stresssymptom anspringt und mich in den vergangenen Wochen immer mal wieder todkrank gesehen hat. 🙂 Dadurch, dass ich es bei mir sehen und spüren kann, versuche ich auch, allem Raum zu geben und: zu reflektieren. Große Sorgen mache ich mir um “uns”, und da trifft Deine Beschreibung des Status Quo und auch der Einwand, dass wir gar nicht mehr machen können als diesen festhalten und besprechen, ganz genau.

      Meine Notreserven sind noch nicht vollkommen erschöpft, sonst gäbe es diesen Text nicht. Die Ressourcen vieler anderer sind es, und die sind in den letzten Wochen alle ganz leise geworden. Wenn ich mir etwas für uns alle wünschen könnte, dann wäre das ein freier Wochentag. Ein Corona-Day, flexibel zu nehmen, und das schon ab einem Schulalter, in dem die Kinder mal nen Tag zuhause rumgammeln können, ohne dass die Eltern sie betreuen müssen. Ein Tag für Freizeit, Lesen, Reflektion, Gespräche, Meditation – ob Teilzeit, Vollzeit, Selbständig, Hausmann*frau … ab sofort eingeführt und bis auf Weiteres. An einem Tag in der Woche machen die Menschen einfach gar nichts, bezahlt, verordnet, kompensiert. Ich glaube, es wäre ein guter Anfang.

      • Liebe Julia, die Idee des “Gammeltages” unterstütze ich, denn ein solcher Tag könnte helfen, unsere Gesellschaft wieder etwas entspannter zu machen. Momentan bin ich aufgrund meines Jobverlustes ja in der schönen Lage, jeden Tag einen Gammeltag einzulegen, kein Zwang in irgendwelche Erwerbsarbeit zu gehen. Aber auch im Haushalt etc. kommt man manchmal an den Punkt wo man merkt, jetzt segelt man hart am Limit und bräuchte einfach mal eine Auszeit um die Akkus wieder aufzuladen.
        Ich wage sogar die Behauptung, dass unsere gesamtgesellschaftliche Produktivität durch einen solchen Gammeltag gar keinen Schaden nehmen würde, ganz im Gegenteil, wie beim Beispiel mit dem Bohrer, es sind die Pausen die wichtig sind um zu Ergebnissen zu kommen. Also hin und wieder raus aus dem Hamsterrad und reflektieren, ob es überhaupt das Richtige ist, was wir da im Hamsterrad machen. Der kleine aber feine Unterschied zwischen “doing the things right” und “do the right things”.
        Viel Liebe und viel Kraft zu Dir. Und immer daran denken, am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ende. 😉

  3. Danke für diesen guten Text.
    Es wird kein gesellschaftliches Debriefing geben. Meist noch nicht einmal ein individuelles.
    Das können wir Deutschen gut: Blick nach vorn, egal was vorher war.
    Mit katastrophalen Folgen…auch psychisch.

    • Genau das ist auch meine Befürchtung, danke. Ich hoffe, dass zumindest eine Handvoll Menschen, die den langen Blogpost bis zum Ende gelesen haben, sich diese Zeit nehmen. Dann wäre ja zumindest schon ein winziges bisschen erreicht. Viele herzliche Grüße und viel Kraft Dir!

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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