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Das FridaysForFuture-Paradoxon*

Hier ist ein Bild von den Protesten in Heidelberg zu sehen. Getwittert hatte dieses Bild @Stefan_SF

„Mama, es ist lieb, dass Du mir eine Entschuldigung schreiben willst. Aber bitte lass das.
Letztlich geht es sogar darum, einen Klassenbucheintrag zu bekommen. Das hier ist ein Streik.“#FridayForFuture #Fridays4Future #FridaysForFurture @swr3— Juna (@junaimnetz) 15. März 2019

Einmal abgesehen von dem peinlichen Vertipper im hashtag war das heute morgen der Beginn eines reichweitenstarken Threads. Hintergrund der folgenden Tweets: Das Gespräch der Radiomoderatoren im SWR3. 

Die beiden Morgen-Moderatoren lasen Reaktionen aus Baden-Württemberg auf die aktuell weltweit stattfindenden “FridaysForFuture”-Proteste vor. Darunter auch sehr spöttische Kommentare wie “Ist das die gleiche Generation, die stets das neueste Smartphone haben will und Urlaub in Deutschland doof findet?” Ehrlich: Das hat mich aufgeregt.

1. ich hoffe, HOFFE, dass allen Jugendlichen da draußen die Meinung ihrer Eltern, Großeltern und Lehrkräfte komplett egal sind. Denn es geht hier nicht um das, was wir von diesen Protesten halten. #Fridays4Future @swr3— Juna (@junaimnetz) 15. März 2019

2. Erwachsene, die erst über die lethargische Generation Instagram schimpfen und sich jetzt darüber aufregen, dass unsere Kinder und Jugendlichen auf die Straße gehen: Kommt auf Euer Leben klar! #Fridays4Future— Juna (@junaimnetz) 15. März 2019

3. Menschen, die den Jugendlichen vorwerfen, dass sie „immer das neueste Smartphone“ haben und „ständig in den Urlaub fliegen“ wollen und daher gar nichts „aktiv für den Klimaschutz tun“: wer lebt ihnen das Verhalten denn vor? @swr3 #Fridays4Future— Juna (@junaimnetz) 15. März 2019

4. Lehrkräfte, die den Jugendlichen den Streik erlauben, wenn diese einen zweiseitigen Aufsatz verfassen:
Ich werde diesen Aufsatz schreiben und zum freien Download anbieten. Und die ganze Zeit über Euch den Kopf schütteln. #Fridays4Future @swr3— Juna (@junaimnetz) 15. März 2019

*Auf twitter bezeichnete @scallysche dieses Verhalten als “FridaysForFuture”-Paradoxon. Wie treffend. Da wissen die Erwachsenen dieser Welt offenbar nicht, was sie zu den protestierenden Jugendlichen sagen sollen. Weil der Protest als Bestreiken der Schule organisiert ist? Weil er nicht so gut in die eigene Tagesplanung passt? Oder weil er unbequem ist und Gespräche nach sich zieht, zuhause. Über das Verhalten der Eltern, zum Beispiel?

Oder einfach weil man sich so wahnsinnig bequem über die Generation Z mit ihrer angeblichen Selbstbezogenheit, ihren instagram-Postings und ihrem Faible für youtube und “chillaxen” lustig machen konnte?

Bild von @Stefan_SF via twitter

Was auch immer Euch stört, Ihr vermeintlich Erwachsenen: Ich finde, es ist an der Zeit, hier einfach mal die Fresse zu halten. Stellt Euch zu den Jugendlichen oder lasst sie protestieren, schreibt Entschuldigungen oder weigert Euch. Aber bitte geht dreimal um Euer eigenes Haus und Euer eigenes Tun, bevor Ihr Euch im Radio oder sonstwo der Peinlichkeit hingebt, die Jugendlichen zu verspotten.

Und weil versprochen versprochen ist:

Hier ist der zweiseitige Aufsatz zum Herunterladen, Rauskopieren, Umändern, Abschreiben und Abgeben. Falls eine Lehrkraft mit Strafarbeit oder Motivationsaufsatz / Stellungnahme droht: Das hier ist meine Vorlage. Macht damit was auch immer Ihr möchtet. Ihr rockt.

Wir sind diejenigen, die unsere Kinder jeden Tag im Stich lassen. Sie sollen richten, was unsere Eltern verbockt haben und wir nicht korrigieren konnten.
Das Beste was wir nun tun können ist die Klappe halten und sie machen lassen. Danke fürs Lesen. #Fridays4Future @swr3— Juna (@junaimnetz) 15. März 2019

Beitragsbild von Felix Grädler via facebook

  1. Stephie

    Super-Twitter/Blog-Beitrag, schöner Aufsatz! Herzlichen Dank für die Unterstützung aller Streikenden und hinter-den-Kulissen-Helfenden!

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Credits: Danke an Anders Norén für das Theme

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