Das Ende der Welt, es fühlt sich mit jedem Blick in die Nachrichten näher an. Und so gibt es jetzt von mir ein bisschen spoken word art, um klarzukommen. Vor allem für mich. Denn #klarkommen scheint irgendwie Hobby des Jahrzehnts.

Und da es „spoken word“ ist und nicht „written word“, habe ich den Text eingesprochen. Wer mag, kann sich „Doomsday“ also auch anhören:

Diese Weltuntergangsstimmung macht mich fertig.

Irgendwie ist jeden Tag Doomsday und irgendwie auch nicht.

Irgendwie wache ich jeden Tag zu Nachrichten auf, die ich früher für Kinofilme gehalten hätte. 

Golfstrom oder Autokratie, Korallensterben oder KI …

Übrigens lasst uns mal kurz über KI reden, ihr wisst schon alle, dass das keine künstliche Intelligenz ist, sondern ein large language model, das nur Wahrscheinlichkeiten berechnet und dass ….

entschuldigt, ich hab mich ablenken lassen.

Wo war ich? Doomsday. Jetzt mit einem weiteren Krieg und vermutlich wird das Öl knapp, das wir eh nicht verbrennen sollten, es sei denn wir halten nicht so viel vom Golfstrom und irgendwie sieht es in meinen Social Media Feeds genauso aus wie hinter meiner Stirn, wirr und voll unlogisch, es sei denn man glaubt an die Theorie, dass wir in einer Reality TV Show von Aliens mitspielen, dann ergibt das alles plötzlich nämlich mächtig viel Sinn. Die Truman Show für einen anderen Planeten und wir mittendrin, und das Finale wird noch mal superspannend, seid ihr auch alle schon aufgeregt, was uns letztlich umbringen soll? Roboter aus China, Mikroplastik aus dem Ozean, ein durchgeknalllter amerikanischer Präsident oder doch ein Komet aus dem All? Der Nervenkitzel ist real und wären wir selbst nur Zuschauer:innen, wir würden uns jetzt nochmal mit Popcorn eindecken, bevor der Showdown kommt.

Nach allem was wir wissen, ist das hier aber die reale Welt (TM). Und in der macht mein Nervensystem jeden Morgen die gleichen Dehn- und Streckübungen:

Aufkommende Panik

Selbstberuhigung

Ablenkung, danach unmittelbar

Selbstgeißelung. Denn wie kannst du dir jetzt nur Stand Up Comedy angucken, was für ein empathieloses Stück bist du eigentlich?

Erneute Konfrontation,

wieder Panik. 

Das kann nicht gesund sein. Das kann nicht mein Tag sein.

Jeden Morgen schaffe ich es dennoch, mich anzuziehen, etwas zu essen, das ein Vitamin enthält und die Kinder zur Schule zu schicken. „Up and not crying“ sagt der Norweger, und an den meisten Tagen ist das so. Und dann gehe ich zur Arbeit und sehe zu, dass ich funktioniere wie so viele andere mit mir und neben mir, die ja auch alle aufgestanden sind, vielleicht etwas gegessen haben, das ein Vitamin enthält, und zumindest im Augenblick weinen sie auch nicht und können mit mir arbeiten. Zwischendurch spiegeln wir uns: Hast du die Nachrichten gesehen? Findest du das auch alles so schlimm? Gehst du am Wochenende demonstrieren, gegen die Faschisten?

Das ist gut für das Gefühl, nicht alleine zu sein. 

So scheint der Alltag zu sein, wenn irgendwie jeden Tag Doomsday ist und irgendwie jeden Tag auch nicht.

Was ich mich allerdings seit kurzem immer wieder frage:

Wenn das das langsame Ende der Welt ist: welche Menschen möchte ich dann an meiner Seite haben?

Und wenn ich dann weiß, wer diese Menschen sind:


Braucht es das Ende der Welt, um sie wissen zu lassen, wie ich fühle?

Danke an Elti Meshau von Pexels für das Beitragsbild.

Veröffentlicht von junebug

Erdling, dem Erscheinungsbild nach menschlich. Unangepasst und vielseitig. No borders, no nations.

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  1. Avatar von Unbekannt

1 Kommentar

  1. Danke für Deine Worte. Ich fühle mit Dir. Täglich. Ich versuche die Nachrichten auf ein Minimum zu reduzieren. Und ich engagiere mich, in meinem Dunstkreis, sofern die Kraft reicht. Spende damit anderen Kraft, Mut und Hoffnung. Vermutlich stehe ich morgen wieder auf.

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